SPRECHSTUNDE

Gicht

Urikopathie

Entstehung der Krankheit

Icon Gicht wird durch einen Überschuss an Harnsäure im Blut (Hyperurikämie) ausgelöst. Die Symptome der Gicht treten allerdings erst auf, wenn sich die überschüssige Harnsäure im Körper in harte Kristalle umwandelt, die vor allem in den Gelenken abgelagert werden.

Die Harnsäure geht als Endprodukt des Purin-Stoffwechsels hervor. Die Purine sind wesentliche Bestandteile der Nukleinsäuren, aus denen die tierische und menschliche DNA (DNS) besteht. Die Purine können im Körper entstehen oder durch Kost, besonders durch Verzehr tierischer Lebensmittel, aufgenommen werden. Sie werden zu Harnsäure abgebaut, die zum Großteil über die Nieren ausgesondert wird.

Eine Hyperurikämie, also ein Überschuss an Harnsäure im Blut, liegt ab einem Harnsäuregehalt über 6,4 mg/dl vor. Der Anteil der Betroffenen mit Harnsäureüberschuss liegt in Industrieländern bei einem Fünftel der Bevölkerung, allerdings führt ein Überschuss an Harnsäure im Blut meistens nicht zu Beschwerden.

Nur jeder 10. bis 20. Patient ist von Beschwerden betroffen, leidet also unter der Gicht. Hier hat sich die überschüssige Harnsäure in Kristalle gewandelt und in Gelenken abgelagert. So entstehen die charakteristischen Beschwerden der Gicht wie z. B. Schmerzen im Großzehen-Grundgelenk.

HarnsäurestoffwechselHarnsäureerhöhung durch Purinübeschuss oder behinderte Ausscheidung
Harnsäurestoffwechsel

Purine entstehen im Körper beim Zellenabbau (1a) oder auch als Stoffwechselprodukt (1c). Purine können auch über Nahrung aufgenommen werden (1b).

Die Purine werden im Körper mit Hilfe spezieller Proteine verstoffwechselt (2). Diese speziellen Proteine werden auch als Enzyme bezeichnet und erlauben eine biochemische Reaktion. Diese Reaktion dient der Entstehung der Harnsäure aus Purinen, weshalb diese Enzyme im Prinzip als Katalysatoren funktionieren. Der Körper muss die Harnsäure ausscheiden, da sie ein Abfallprodukt darstellt (3).

Die Nieren sondern ca. 75 % der Harnsäure aus, Darm, Schweiß oder Speichel sondern ca. 25 % der Harnsäure aus. Die Höhe des Harnsäuregehalts ist abhängig von Alter, Geschlecht und Ernährung des Menschen.

Die Fachbegriffe im Überblick

DNA

Harnsäureerhöhung (Hyperurikämie)

Von einer Hyperurikämie, also einem Überschuss an Harnsäure im Blut, spricht man ab einem Harnsäuregehalt über 6,4 mg/dl. In einem Deziliter im Blut sind also über 6,4 mg Harnsäure vorhanden. Diese Hyperurikämie kann folgende vier Ursachen haben:

  • häufigste Ursache: Es wird zu wenig Harnsäure ausgeschieden

  • mehr körpereigene Zellen werden abgebaut (bei Leukämien, Strahlentherapie oder Tumorerkrankungen)

  • der Körper stellt selbst viel Harnsäure her (sehr seltene Erkrankungen)

  • häufiger Zusatzfaktor: es werden viele Purine über die Nahrung aufgenommen

Die Ursachen können auch kombiniert auftreten.

Ursachen für verminderte Ausscheidung von Harnsäure

Eine vererbte Stoffwechselstörung kann ebenfalls die Ursache für eine gestörte Harnsäureausscheidung der Nieren sein:

  • Zusätzliche Aufnahme von purinreicher Nahrung und Übergewicht fördern eine Erkrankung an Hyperurikämie.

  • Häufig leiden oder litten bereits Familienmitglieder der Betroffenen unter einer Hyperurikämie.

Gestörte Ausscheidung von Harnsäure durch Nierenerkrankungen, gestörter Säure-Basen-Haushalt des Körpers oder aufgrund von Medikamenten:

  • Eine Störung der Harnsäureausscheidung der Nieren kann durch Nierenerkrankungen (z.B. Nierentumore oder Entzündungen der Nieren) verursacht werden.

  • Ein gestörter Säure-Basen-Haushalt kann ebenfalls zu einer Verminderung der Harnsäureausscheidung der Nieren führen.

  • Die Ausscheidung von Harnsäure kann auch durch Medikamente, wie z.B. Diuretika reduziert werden.

  • Bestimmte Medikamente wie Diuretika, die auf die Niere wirken, können die Harnsäureausscheidung vermindern.

Ursachen für vermehrten Abbau von körpereigenen Zellen

Auch wenn der Körper gesund ist, baut er täglich Zellen ab. Die DNS, die u. a. aus Purinen besteht, ist bei den meisten Körperzellen im Zellkern hinterlegt. Baut der Körper Zellen ab, so wird die in den Zellkernen vorhandene DNS und somit auch die Purine freigesetzt. Die Purine werden anschließend zu Harnsäure abgebaut. Findet ein vermehrter Zellverfall im Körper statt, entsteht demnach auch mehr Harnsäure. Dies kann der Fall sein bei: 

  • Tumorerkrankungen oder bösartigen Erkrankungen der Blutzellen, wie z.B. Leukämien

  • Chemo- oder Strahlentherapie

Ursache für vermehrte Aufnahme von Purinen über die Nahrung

Menschen die von Gicht oder erhöhten Harnsäurewerten betroffen sind, wird empfohlen Lebensmittel wie Fleisch, Meeresfrüchte oder Innereien zu vermeiden und Nahrung mit wenig Purinen zu verzehren. Der Purinanteil sollte täglich 300 mg nicht übersteigen. Dies entspricht einer Harnsäureproduktion von circa 700 mg.

Es gibt Tabellen, in denen man nachschauen kann wie viel Purine in bestimmten Lebensmitteln enthalten sind und wie viel Harnsäure daraus entsteht. Aus 1 mg Purin entstehen etwa 2,38 mg Harnsäure.

  • Beispielsweise enthalten 100 g Weißbrot circa 6 mg Purine, aus denen circa 21 mg Harnsäure entstehen.

  • 100 g Rindfleisch beinhalten 58 mg Purine, aus denen circa 140 mg Harnsäure entstehen.

  • 100 g Rinderleber enthalten 231 mg Purine, aus denen circa 554 mg Harnsäure entstehen.

In Deutschland ist eine purinreiche Nahrungsaufnahme normalerweise nicht Auslöser einer Hyperurikämie. Sie ist, in Verbindung mit einem der anderen verbleibendenen drei Ursachen (Verminderung der Harnsäureausscheidung, vermehrter Abbau körpereigener Zellen oder vermehrte körpereigene Herstellung von Harnsäure), eher als zusätzlicher Faktor zu betrachten.

In vergangenen Jahrhunderten wurde viel Wildbret und Huhn von der höheren Gesellschaft verzehrt. Die Gicht wurde damals vermehrt festgestellt und war unter dem Begriff "Zipperlein" bekannt.

Ursachen für vermehrten körpereigenen Aufbau von Harnsäure

Eine Überproduktion von Harnsäure kann auch durch seltene, vererbte Störungen der Enzymfunktion im Purinstoffwechsel herrühren. Die gichtähnlichen Beschwerden etablieren sich meist schon im Kindesalter.

Auslöser des akuten Gichtanfalls

Durch eine akute Veränderung des Harnsäuregehalts im Blut, kann ein plötzlicher Gichtanfall entstehen. Alkoholkonsum (insbesondere Bier), Medikamente (z. B. Diuretika, Acetylsalicylsäure, Ciclosporin A, Methotrexat), purinreiche Nahrung oder Fasten tragen dazu bei.

Bei Therapiebeginn zur Senkung des Harnsäurespiegels kann es zunächst zu einem Gichtanfall kommen.

Bei einem Gichtanfall lagern sich Uratkristalle (eine veränderte Form der Harnsäure) in der Gelenkflüssigkeit ab. Die in der Gelenkflüssigkeit abgelagerten Uratkristalle werden von Fresszellen des Immunsystems, sogenannte Phagozyten, aufgenommen. Diese Vorgänge lösen dann durch Auschüttung verschiedener Stoffe eine Entzündungsreaktion aus, die sich in Form von typischen Gichtbeschwerden manifestiert: Schwellung, Schmerzen, Rötung.

Häufigkeit der Gichterkrankung

Betrachtet man das Vorkommen der Erkrankung bei Patienten in Hausarztpraxen, so ist Gicht mit 1,4 % die häufigste Gelenkentzündung bei Erwachsenen. Männer erkranken mit einer Wahrscheinlichkeit von 4:1, Frauen mit einer Wahrscheinlichkeit von 9:1 an Gicht. Das niedrigere Erkrankungsrisiko bei Frauen liegt an dem hohen Östrogenspiegel. Er fördert eine Ausscheidung der Harnsäure. Fällt dieser dann nach den Wechseljahren ab, so kann eine Gichterkrankung ausgelöst werden.

Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Patienteninformation der HausMed eHealth Services GmbH, die ohne Mitwirken von Sponsoren erarbeitet wurde. Ziel dieser Informationsdienstleistung ist es, der Leserschaft bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, welche ohne die Notwendigkeit medizinischen Fachwissens verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.