SPRECHSTUNDE

Bandscheibenvorfall

Discus prolaps oder Bandscheibenprotrusion

Therapie

Icon Behandlungen werden in konservative und operative Therapien eingeteilt. Konservativ lassen sich Schmerzen durch Medikamente und krankengymnastische Übungen reduzieren. Bei muskulären Ausfällen, Entleerungsstörungen der Blase oder des Darmes, muss eine Operation durchgeführt werden.

Die Therapie des Bandscheibenvorfalls ist stark von der Ausprägung der Symptome und der subjektiven Beschwerden sowie der Krankheitsdauer abhängig. Bei einer Vorwölbung mit leichten Beschwerden reicht eine konservative Therapie mit Medikamenten und physiotherapeutischen Übungen. Erst bei längeren Beschwerden von mehr als 6 Wochen oder wenn keine Verbesserung durch eine konservative Therapie eintritt, wird eine Operation durchgeführt. Dies geschieht auch bei subjektiv hohem Leidensdruck durch den Bandscheibenvorfall. Ein in bildgebenden Verfahren nachgewiesener Bandscheibenvorfall mit gleichzeitig bestehenden Muskellähmungen oder Störungen der Blasen- und Mastdarmentleerung muss innerhalb der nächsten 24 Stunden operiert werden.

Nicht-steroidale Antirheumatika

Viele Schmerzmittel stammen aus der Gruppe der Nicht-steroidalen-Antirheumatika.

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Konservative Therapie

Eine Bandscheibenvorwölbung bildet sich, solang keine Fasern endgültig in den Wirbelkanal gelangt sind,  teilweise spontan zurück. Hierbei wird erst einmal eine funktionelle Entlastung beispielsweise durch Bettruhe auf fester Unterlage mit gebeugter Hüfte und Knien (Stufenbettlagerung) gesetzt. Im Vordergrund steht anfänglich eine Behebung der reflektorischen Verspannung der Rückenmuskulatur im betroffenen Segment, um den Teufelskreis aus zusätzlicher Belastung der Gelenke und weiteren Schmerzen zu durchbrechen.

Die Verabreichungsform (Tabletten, Pflaster, Zäpfchen) von Medikamenten ist hierbei zweitrangig. Folgende Medikamente sind gegen Schmerz und Verspannung der Rückenmuskulatur hilfreich:

  • Schmerzmittel und antientzündlich wirkende Medikamente (Analgetika und Antiphlogistika)

  • Eine vorrübergehende Entspannung der Muskulatur herbeirufende Medikamente (Myotonolytika)

  • Direktes Spritzen von örtlich wirksamen Betäubungsmitteln um die Nervenwurzel oder das Rückenmark (Lokalanästhetika-Injektion)

Neben der medikamentösen Schmerztherapie ist auch eine physiotherapeutische Unterstützung sinnvoll. Als lindernd wird häufig örtliche Wärmeanwendung durch Heilschlamm (Fango-Packungen) oder eine gezielte Erwärmung der Körpergewebe durch Kurzwellentherapie (Diathermie) empfunden. Eine Massage ist durchaus auch hilfreich, jedoch sollte bei Schmerzverstärkung während der Massage diese Therapie abgebrochen werden, da Instabilitäten der Wirbelsäule die Nervenquetschung verstärken.

Im Anschluss wird eine Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur gesetzt, um einer erneuten Fehlhaltung oder einer Fehlbelastung in diesem Bereich vorzubeugen. Sinnvoll hierbei ist eine ambulante Durchführung von Krankengymnastik. Teilweise ist aus pflegerischen Gründen oder persönlichem Aufwand auch eine stationäre Unterbringung während der Therapie sinnvoll. Nach der anfänglichen Therapie sollten die gezeigten Übungen auch zu Hause weiter durchgeführt werden, um einer erneuten Bandscheibenproblematik vorzubeugen. Unter Prävention sind weitere Übungen gezeigt, die sinnvoll für die Vorbeugung von ersten beziehungsweise erneuten Bandscheibenvorfällen geeignet sind.

Operative Therapie

Eine operative Therapie sollte nur gut überlegt durchgeführt werden, da eine aufwändige Bandscheibenoperation immer ein zusätzliches Risiko für den Patienten bedeutet. Daher sollte wenn möglich zuerst eine konservative Therapie durchgeführt werden. Die Ergebnisse einer Bandscheibenoperation sind trotzdem sehr gut und übertreffen langfristig die Resultate der konservativen Therapie. Nach einer Operation sind ungefähr 80 % der Patienten beschwerdefrei. Nur Bei 5 % der Patienten treten nach der Operation erneut Bandscheibenbeschwerden im Operationsgebiet auf.

Die Operation erfolgt meist in mikrochirurgischer Technik. Hierbei wird über den Rücken ein Zugang zum Wirbelkanal hergestellt. Das Rückenmark wird dargestellt und mit einem Haken während der Operation geschützt. Nun wir das hintere Längsband am Wirbelkörper eingeschnitten. Die Masse des Bandscheibenvorfalls (Sequester) kann nun mit einer Fasszange entfernt werden. Wenn nötig werden gleichzeitig knöcherne Engstellen, die das Rückenmark einengen entfernt und somit ein normal großer Wirbelkanal geschaffen.

Gerade an der Halswirbelsäule lässt sich ein Bandscheibenvorfall auch von der Vorderseite entfernen (perkutane Nukleotomie). Mit diesem Verfahren lassen sich gute Ergebnisse erzielen, da es deutlich seltener zur Narbenbildung der Rückenmuskulatur kommt. Gleichzeitig ist die Operation riskanter, da wichtige und empfindliche Strukturen durch den Operationszugang verlaufen (Halsschlagader), die während der Operation geschützt werden müssen.

Beide Verfahren lassen sich auch mit geringsten Verletzungen (minimal invasiv) durchführen. Der Operationszugang wird deutlich verkleinert, da eine Metallröhre als Arbeitskanal bis zum Bandscheibenvorfall vorgeschoben wird (endoskopische Operation). Die Entfernung des Bandscheibenvorfalls erfolgt analog zum klassischen Operationsverfahren.

Alternative Medizin

Neben den schulmedizinischen Verfahren stehen auch weitere Methoden aus der alternativen Medizin zur Verfügung, um Schmerzen zu behandeln. Hierzu gehören:

  • Akupunktur: Studien haben gezeigt, dass Akupunktur bei Rückenschmerzen kurzzeitig Besserung verschafft.

  • Massagen: klassische Massagen sind besonders bei Kreuzschmerzen hilfreich.

  • Manuelle Therapie und chiropraktische Manipulation: Bei kurz anhaltendem Rückenschmerz sind diese Verfahren hilfreich. Bei chronischen Schmerzen sollten diese Verfahren nur nach vorheriger Absprache mit dem Arzt stattfinden.

  • Yoga: Einige Übungen führen zu Linderung von Rückenschmerzen. Jedoch sollten nicht alle Übungen angewandt werden, da es zu einer Verschlechterung der Symptomatik kommen kann.

Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Patienteninformation der HausMed eHealth Services GmbH, die ohne Mitwirken von Sponsoren erarbeitet wurde. Ziel dieser Informationsdienstleistung ist es, der Leserschaft bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, welche ohne die Notwendigkeit medizinischen Fachwissens verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.